Menschen, die nur von sich reden
Es gibt Begegnungen, in denen Worte fließen - aber nicht zwischen zwei Menschen, sondern nur in eine Richtung. Man sitzt daneben wie ein stiller Zuschauer, während der andere redet, erzählt, ausbreitet. Nicht aus Bosheit. Oft aus Gewohnheit. Oder aus einem tiefen Bedürfnis, gesehen zu werden.
Manchmal merkt der andere gar nicht, dass er allein spricht. Und manchmal merkt er es - aber er kann nicht anders. In solchen Momenten hilft es, innerlich einen Schritt zurückzutreten. Nicht kämpfen. Nicht beweisen. Nicht warten, bis Raum entsteht.
Sondern wahrnehmen: Dieses Gespräch gehört gerade nicht mir. Man kann sanft lenken, ein kleines Fenster öffnen:
„Darf ich dir kurz erzählen, wie es bei mir ist.“
Wenn das Fenster sofort wieder zufällt, sagt das mehr als jedes Wort.
Nicht jeder Mensch kann zuhören.
Nicht jeder Mensch interessiert sich wirklich.
Und das ist keine Bewertung - nur eine Erkenntnis.
Manchmal zeigt uns ein Gespräch, wie nah jemand stehen kann.
Und manchmal zeigt es uns, wo unsere eigene Grenze beginnt.
Alles darf sein. Auch das leise Wissen: Ich brauche Begegnungen, die in beide Richtungen gehen.
